Gelassenheit lernen – Fünf Schlüssel für ein stressfreies Leben

Kennst du das? Es fällt ein spitzer Kommentar einer Freundin über deine Kleiderwahl, jemand nimmt dir an der Ampel die Vorfahrt, jemand verwehrt einer Schwangeren vor deinen Augen ein Sitzplatz in der Bahn oder du versprichst dich bei deiner Präsentation zum fünften Mal. All das sind Situationen, in denen unsere Gelassenheit enorm herausgefordert wird. Gelassenheit nach außen und innen. In diesem Beitrag möchte ich dir zeigen, wie du Gelassenheit lernen kannst.

Im Artikel lernst du die Auslöser, die uns aus der Gelassenheit bringen und was Gelassenheit überhaupt ist.  Zudem erläutere ich dir die fünf Schlüssel, die dich zur Gelassenheit führen. Das ist die Basis für ein optimales Gleichgewicht und wichtig in allen Beziehungen. So können wir endlich ein friedvolles Leben führen. Außerdem bekommst du einen praktischen Leitfaden, der dir hilft innere Ruhe und vor allem Zufriedenheit zu erlangen und das auch nach außen auszustrahlen.

Zunächst, es ist nicht realistisch solche Reaktionen einfach zu vermeiden, falls dir das in den Kopf gekommen ist. Du musst lernen mit den obigen Situationen umzugehen. Deine Reaktion ist entscheidend. PROAKTIV ODER REAKTIV.

Es gibt drei mögliche Versionen:

  • Deine Emotion kocht hoch, Panik, Wut und Verzweiflung zeigen sich und du lässt deinem Ärger lauthals Raum. (reaktiv)
  • Dein Blut fängt an zu kochen, du beißt dir auf die Zunge und schluckst den Ärger runter. (reaktiv)
  • Du atmest tief ein und aus, bleibst innerlich ruhig und argumentierst gewaltfrei oder gar nicht. (proaktiv)

Welche der drei Optionen wünschst du dir am meisten für dich? Passiert es dir öfters, dass du dich über Sachen aufregst oder dir Sorgen machst, auf die du eigentlich keinen Einfluss hast? Ja? Da geht es dir wie vielen Menschen da draußen. Ein Teil der Lösung ist Gelassenheit. Sie ist essentiell. Bei vielen passiert das ganz automatisch, andere müssen wiederum daran arbeiten.

Erstere findet man auch besonders in verschiedenen Berufsbildern oder bestimmten Hobbys: z.B. eine Notärztin, die eine verletzte Person in aller Ruhe versorgt oder ein Kind, welches sich zum 3. Mal auf dem Klavier verspielt und wieder von vorne anfängt. Auch eine Lehrer/in, die gelassen konstruktiv Feedback auf unverträgliches Verhalten gibt. Diese Personen haben das meist in sich oder haben es sich Gelassenheit bewusst oder unbewusst angeeignet. Aber was ist eigentlich Gelassenheit?

Was ist Gelassenheit?

Gelassenheit hat mehrere Bedeutungen. „Serenitas“ war schon bei den Römern ein wichtiger Begriff, der nicht nur Gelassenheit, sondern auch „heiter sein“ beschreibt, was genauer die Folge der Gelassenheit ist.

„Passaddhi“ ist eine der 7 Schritte zur Erleuchtung im Buddhismus. Für den Philosophen Platon gehört Gelassenheit zu einer der vier Grundtugenden (Geo, Aug 2020) und auch in der Yoga Philosophie „Samadishatka“ ist es ein Grundbaustein für ein zufriedenes, „erheitertes“ Leben. 

Ich persönlich beschreibe Gelassenheit gerne mit einem Zustand der inneren Ruhe, einem selbstreflektierten Frieden, vor allem in stressigen Situationen. Ich spreche mir dabei die Fähigkeit zu, meine Aktion zu wählen, proaktiv oder reaktiv. Proaktiv heißt in dem Fall, ich entscheide mich bewusst, es nicht an mich heranzulassen und lass mich nicht einfach von der Situation überwältigen (reaktiv).

Dies macht letztendlich das Leben viel zufriedener und fördert bessere Beziehungen. Ausgeglichenes Handeln und dabei innere Ruhe bewahren ist eine bewusste Wahl.

Wie ist die Wirkung von Gelassenheit auf das Gehirn?

Sie stärkt den Thalamus, das Tor, wo wir alles, was wir aus dem Außen mit den Sinnen aufnehmen und verarbeiten. Das heißt, wenn ich gelassen und achtsam bin, nehme ich die Dinge bewusster wahr. Das Tor filtert dabei ungute Einflüsse heraus. Das bedeutet nicht gleichgültig zu sein, sondern zu bemerken, was gut tut und was nicht weiter verfolgt werden sollte.

Außerdem kann die Gelassenheitsübung die Amygdala, unser Alarmsystem im Gehirn verkleinern. Wenn diese ungefiltert angesprochen wird, sind wir zunehmend in Angst- und Sorgenzuständen, die ein großer Stressauslöser sind und krank machen kann. Diese wieder zu verkleinern und managen ist sehr wichtig.

Wieso du Gelassenheit lernen solltest – Die fünf Schlüssel

1. Gefühle steuern unser Leben und wie wir uns fühlen. Das Gegenteil von innerem Frieden und Gelassenheit ist, Sorgen in die Zukunft zu projizieren („wenn ich meine/n Partner/in verlasse, wird mein Leben wahrscheinlich unsicher und einsam“). Sich traurig oder unzufrieden zu fühlen oder bei jeder noch so kleinen Kritik von außen sich minderwertig zu fühlen. Etwas wie: „ich bin nicht gut genug“ oder „ich muss besser aussehen“. Wichtig ist, die Selbstreflektion über die eigenen Gefühle zu verbessern.

Wenn sich jemand in der Schlange vordrängelt, anstatt wütend zu reagieren, zu bemerken, welches Gefühl hochkocht und in diesem Raum dann bemerken, wie ich mich selbst managen kann. Dadurch kann Freiheit entstehen.

2. Aufmerksamkeit lenken und managen. Menschen fällt es immer schwerer still zu sein und sich nicht ablenken zu lassen. Gründe dafür sind u.a. Streaming, Handys und vor allem Social-Media. Wir sind ständig online. Das fördert Rastlosigkeit und Stress. Deswegen fällt es uns immer schwerer einmal nichts zu tun. Unsere Aufmerksamkeit bewusst lenken zu können sollte unser Ziel sein. Hör auf bei jedem unguten Gefühl davonzulaufen, dich abzulenken. Auch hier ist Gelassenheitstraining wichtig.

3. Nach dem perfekten Leben streben. Wenn Perfektionismus dein Antrieb ist, wird das deine Gelassenheit hemmen. Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, selbst als ich von außen gesehen alles hatte, wie den super bezahlten, angesehenen Job, eine Beziehung, sportlich, Freizeit, etc. war ich doch innerlich sehr unzufrieden.

 „Du bist dein Leben lang ein unfertiges Kunstwerk. Die Magie besteht darin, es im heutigen Zustand anzunehmen, genießen und zu lieben und trotzdem stetig daran weiter zu malen.“

4. Selbstwert erkennen. Gelassenheit wird dadurch bedingt, dass man mit sich selbst im Reinen ist. Dazu gehört Schwächen anzunehmen und weiter an sich zu arbeiten, aber das nicht krampfhaft. Zudem solltest du deine Stärken erkennen, negative Überzeugungen, wie „ich bin nicht genug“ aufzulösen.  Denn erst, wenn du dich mit dir sich selbst befasst, kannst du dich auch mit anderen befassen.

5. Grenzen setzen, auch mal nicht gelassen sein. Erkenne wann es sich lohnt nicht gelassen zu sein. Wenn wir bemerken, dass manche Menschen sich vordrängeln, respektlos mit jemandem sprechen oder Grenzen überschreiten, kann es schon mal sein, dass es sich lohnt zu bemerken, wie Ärger aufkommt und man dann auch seine Grenzen setzt und verteidigt. Ein NEIN oder ein trotzdem friedvolles argumentieren hilft hier enorm, um deine Grenzen aufzuzeigen.

Wie kannst du nun Gelassenheit lernen?

Meditation und Achtsamkeitsübungen sind die effektivsten Übungen, um Gelassenheit zu entwickeln. Diese entsteht durch den Blick ins Innere, d.h. die Aufmerksamkeit geht weg von Ablenkungen, uns richtet sich auf das was jetzt ist, in dem Moment. Nimm diese Übungen gerne in deine Gewohnheiten auf, um Gelassenheit langfristig in deinem Alltag zu integrieren.

Meditation. Versetze dich in die Vogelperspektive und löse dich von Gedanken, die dich beeinflussen. So, als ob du dich vom Zuschauerrang beobachtest. So kannst du klarer wahrnehmen was wirklich Sache ist.  Im zweiten Schritt kannst du hinterfragen, ob dies rational oder irrational, wahr oder unwahr ist. Was wären deine Bedürfnisse und welcher Gedanke bzw. innere Einstellung könnte dir helfen? Wissen, dass du nicht alles kontrollieren kannst.

Atemübung. Der Atem verbindet Geist und Körper und ist eines der wichtigsten Werkzeuge, um Bewusstsein zu schärfen und Stress abzubauen.

Die Quadratatmung aus dem Yoga hilft dir u.a., den Fokus ganz bei dir zu lassen, dich zu konzentrieren, den Geist zu beruhigen, Ängste abzubauen und den Blutdruck zu senken.

Die Übung kannst du im Stehen oder Sitzen machen. Atme dreimal bis in den Bauch tief ein und aus. Schließe deine Augen. Atme für 5 Schläge ein, halte für 5, atme für 5 aus, halte für 5.

Yoga. lehrt uns Gelassenheit und Geduld. Jeden Tag aufs Neue bemerkt man, dass der Körper nicht jeden Tag gleich funktioniert. Auch wenn sich das manche wünschen würden. Gerade bei z.B. einer sehr verspannten Oberschenkelrückseite dürfen wir mit Muse immer wieder ein kleines bisschen tiefer gehen, Geduld haben und trotzdem die Gelassenheit und das Vertrauen haben, dass der Körper eines Tages auch loslässt. Die Yogaübungen auf der Matte lehren uns das jeden Tag.

Gelassenheit in sozialen Situationen bewahren ist einer der Schlüssel. Serenus sagte zum Thema des gelassenen und glücklichen Menschen: „wechsle dich zwischen Alleinsein und Geselligkeit ab.“ Beim Alleinsein könntest du Spazierengehen, Kreativsein, Lesen, Meditieren oder auch einfach Dankbarsein. In der Geselligkeit unternimmst du Dinge mit Freunden, Kollegen, der Familie oder deinem Partner.

Achtsamkeit. Sie hilft in der Situation mit anderen, die dich aufregen zu Atmen und zu bemerken was ist, anstatt sofort zu reagieren. Eigene Grenzen und Werte, wie dein Bedürfnis nach Respekt oder Verlässlichkeit erkennen und dies so auch kommunizieren.

Letztendlich lässt sich nichts erzwingen, aber aus meiner eigenen Erfahrung, steht Gelassenheit für ein Gefühl von freiem Durchatmen im Brustkorb, ein inneres Lächeln im Herz und eine feste, warme Umarmung mit mir selbst.

Autor

Pia Baur

Pia Baur ist systemischer Life- und Businesscoach, Achtsamkeit- und Meditationsleiterin und Yogalehrerin/dozentin, Podcasterin und Autorin. Als Expertin und Speaker für Mindfulness, Resilienz und Kommunikation unterstützt sie Unternehmen (KPMG, Universität Tübingen, FitforFun, Steelcase, Bits & Pretzels uvm.) dabei emotionale Intelligenz, Wohlbefinden, Authentizität sowie Empathie zu stärken. Sie unterstützt mit ihrem ganzheitlichen Mind, Body und Soul Ansatz Privatklienten im Coaching und in Workshops dabei, mittels Stärkung der Eigenwahrnehmung. Bewusstsein, Selbstwirksamkeit und Potenzialentfaltung ein gesundes und zufriedenes Leben in Kraft, Erfüllung und Zuversicht zu führen. Mit ihrem Podcast Fully Connected unterstützt sie ihre Hörer wöchentlich dabei, sich persönlich weiter zu entwickeln, Übungen für den Alltag zu erhalten und über Effekte aus Psychologie, Yoga, Coaching und Achtsamkeit kennen zu lernen.

Du kannst Dich mit ihr über Instagram (@piabaur.coaching), über LinkedIn (Pia Baur) oder über ihre Website (www.piabaur.de) verbinden.

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