Schulterschmerzen richtig behandeln – 5 effektive Tipps

Schmerz ist eine unangenehme, aber normale menschliche Erfahrung. Es ist in erster Linie ein Mechanismus in  unserem zentralen Nervensystem (ZNS), der uns vor möglichen Gefahren schützt. Aber warum ist das so? Im Folgenden betrachten wir anhand von Schulterschmerzen die Ursachenbestimmung und Maßnahmen zur effektiven Linderung von Schmerzen.

Das ZNS besteht aus dem Rückenmark und dem Gehirn. Seine Hauptaufgabe besteht darin, das Überleben bzw. die körperliche Unversehrtheit unmittelbar zu sichern. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden und Gefahren zu antizipieren, analysiert und bewertet das ZNS 24/7 Informationen aus unserer Umwelt und unserer Innenwelt. Wenn das ZNS gewisse Informationen als potentielle Gefahr ausmacht, kann das unter anderem zu Schmerzen führen. Die neuronalen Instanzen, die darüber entscheiden, ob ein Schmerzsignal entsteht, befinden sich in einem unbewussten Bereich. Ferner gibt es keine andere Möglichkeit, uns diese Informationen mitzuteilen.

Schmerz kann man daher als Ergebnis betrachten. Er tritt erst dann auf, wenn das Gehirn nach Aufnahme und Interpretation von Informationen die Entscheidung gefällt hat, Schmerzsignale auszusenden. Damit möchte er den Körper vor potentiellen Gefahren schützen.

Welche „Informationen“ sorgen für Schmerzsignale?

Wir stellen uns das Gehirn als Manager unseres Körpers vor. Um das Unternehmen sicher und erfolgreich führen zu können, erhält der Manager wie in jedem Unternehmen aus allen Abteilungen verschiedene Informationen. Im Falle von unserem Körpers bestehen die Informationen aus den unterschiedlichsten Sinneseindrücken. Die Abteilungen repräsentieren in unserem Fall den Körper mit seinen verschiedenen Arealen, darunter Organe (u.a. Gleichgewichtsorgan, Lunge, Augen, Haut etc.), Gelenke, Faszien, Knochen und alle weiteren hier nicht genannten Bereiche, die es noch gibt. Von diesen Abteilungen aus werden sensorische Informationen durch das periphere Nervensystem zuerst ins Rückenmark und von dort aus direkt an das Gehirn weitergeleitet.

Nehmen wir Knieschmerzen einmal als Beispiel. Aus dem Bereich des Knies gelangen ununterbrochen Lageinformationen zum Gehirn. Diese Informationen beinhalten beispielsweise den Zustand der Bänder, Knorpel, Muskulatur, Haut, Durchblutung, Gelenkstellung und so weiter. Das Gehirn analysiert die Informationen und wertet diese anschließend aus. Auf der Basis dieser Informationen entscheidet das ZNS, ob der aktuelle Zustand des Knies potentiell gefährlich ist. Wenn das Gehirn die Situation des Knies als gefährlich einstuft, kann das zu der Aussendung eines Schmerzsignals führen.

Einschätzung der Signale durch das Gehirn

Zunächst ist wichtig zu wissen, dass die Intensität von ausgesendeten Schmerzen nicht nach dem vorliegenden strukturellen Schaden bzw. der Schwere der Verletzung, entschieden wird. Der verletzte Bereich sendet lediglich die Gefahreninformationen an das ZNS, dieses bewertet anschließend anhand der vorliegenden Informationen die Situation und entscheidet dann über das weitere Vorgehen. Betrachten wir hierbei doch mal einige Beispiele. Obwohl der dadurch resultierende Schaden gering ist, kann der Dorn eines Seeigels im Fuß enorme Schmerzen verursachen. Ein tiefer Schnitt oder ein Bruch kann dagegen zunächst recht schmerzlos sein, obwohl das für den menschlichen Körper drastischere Konsequenzen haben könnte.

Schmerzen treten oft auch dann auf, wenn keine akute Verletzung oder Gefahr besteht. Ein klassisches Beispiel sind unspezifische Rückenschmerzen. Obwohl keine Verletzung vorliegt, schmerzt der Rücken Bsp. nach langem Sitzen, längerem Stehen oder generell andauerndem Verharren in einer bestimmten Position. Fehlen Informationen aus einem bestimmten Bereich des Körpers, stellt das eine potentielle Gefahr dar. Das liegt daran, dass es dem ZNS nicht möglich ist, den Gesamtzustand des Körpers eindeutig zu bewerten. Liegt beispielsweise ein Mangel an Bewegungsinformationen aus dem Rückenbereich vor, kann unser ZNS dies als Gefahr bewerten und uns als Aufforderungssignal Schmerzen wahrnehmen lassen. Das soll uns darauf aufmerksam machen, an der aktuellen Situation etwas zu verändern.

Bewegung wäre in diesem Fall eine Möglichkeit, den Informationsaustausch wiederherzustellen. Beginnt die betroffene Person also damit, sich zu bewegen, erhält das ZNS die notwendigen Informationen, um den Gesamtzustand neu zu bewerten. Besteht aus der Perspektive des ZNS keine akute Gefahr, führt das womöglich zu einer Einstellung der Schmerzsignale und dadurch würden die bestehenden Rückenschmerzen verschwinden oder wenigstens reduziert. Gleiches kann auch für jene Verletzungen der Fall sein, die zwar verheilt, aber nicht ausreichend rehabilitiert worden sind.

Grundsätzlich gilt: Je geringer das Gesamtrisikoniveau des ZNS, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für Schmerzen. Informationsdefizite und eine zu hohe Gefährdungsstufe sind einer der häufigsten Gründe für unspezifische Schmerzen. Diese Art von Schmerzen kann allerdings oftmals relativ unkompliziert behoben werden. Ein Leben mit chronischen Schmerzen ist hingegen keine Option.

5 Tipps, die dir bei Schulterschmerzen helfen werden

In den vergangenen Abschnitten haben wir uns diese Konzeption anhand von Knie- und Rückenschmerzen genauer angeschaut. Schulterschmerzen sind in der Gesellschaft ebenfalls sehr verbreitet. Im Folgenden betrachten wir verschiedene Therapieansätze für Schulterschmerzen basierend auf unterschiedlichen Beschwerdeursachen. Nicht jeder der folgenden Tipps muss für dich funktionieren, dazu sind die Ursachen für Schmerzen zu vielfältig und individuell. Falls die Schmerzursache jedoch keine akute Verletzung sein sollte, werden dir einige dieser Drills direkte Linderung bringen:

  1. Mobilisierung der Hüfte (entgegengesetzte Körperseite): Wenn du etwas nach vorne oder über Kopf drückst (Bsp. Bankdrücken, Kiste über Kopf ins Regal stellen) und bspw. deine linke Schulter dabei schmerzt, kreise deine rechte Hüfte, indem du mit deinem rechten Bein leicht hinter dir langsame kreisende Bewegungen machst, ohne dich dabei vorzubeugen (oder umgekehrt).
  2. Mobilisierung der Halswirbelsäule: Im Bereich der Halswirbelsäule treten diejenigen Nerven aus, die die Schulter innervieren bzw. steuern. Daher kann die Ursache für den Schulterschmerz darin liegen, dass einer dieser Nerven mehr Spielraum benötigt – die Mobilisierung der Halswirbelsäule kann demnach immens zur Schmerzlinderung beitragen.
  3. Mobilisierung der schulterspezifischen Nerven: Wenn ein Nerv nicht gut durch das ihn umgebende Gewebe gleiten kann, äußert sich dies häufig als Schmerzen in diesem Bereich. Um die Gleiteigenschaft derjenigen Nerven, die die Schulter innervieren, zu verbessern, eignen sich sogenannte Nerve Glides.
  4. Isometrische Kräftigung der Schulter im schmerzfreien Bereich: Bewege die eingeschränkte Schulter knapp vor den Moment des Schmerzes und halte diese Position. Ein/e Partner/in versucht dann deinen Arm leicht aus dieser Position zu drücken – jedoch nur so weit, dass du die Position noch halten kannst. Bsp.: du hältst den Arm neben dem Kopf und der/die Partner/in drückt aus jeder Richtung leicht gegen deinen Arm.
  5. Mobilisierung der Schulter im schmerzfreien Bereich: Schulterschmerz kann auch darin begründet sein, dass ein Defizit in der Steuerung derjenigen Muskeln vorliegt, die die Schulter stabilisieren. Daher kann es immens hilfreich sein, an der maximalen Kontrolle der Schultern in Bewegung zu arbeiten.

Überprüfe nach jedem Stimulus, ob sich das Schmerzlevel verändert hat und nutze nur die Maßnahmen, die eine positive Veränderung deiner Beschwerden herbeiführen.

Autor

Yassin Jebrini

Yassin Jebrini ist Sportwissenschaftler M.A. und Z-Health-Absolvent. Primär arbeitet er als Neuroathletiktrainer mit Profi- und Freizeitsportlern zusammen. Zusätzlich ist er als Referent tätig und bildet Trainer in Neuroathletik aus.

Du kannst Dich mit ihm über Instagram (@jebrini_training) oder seiner Website (www.jebrini-training.de) verbinden.

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